Wenn man zum ersten Mal in Honolulu landet, spürt man eine seltsame Vertrautheit. Dieses Déjà-vu hängt damit zusammen, dass die 380.000 Einwohner-Metropole (mit dem Großraum sind es fast eine Million) schon so oft Kulisse in Filmen und TV-Serien war. Wer erinnert sich nicht an den roten Ferrari, mit dem Privatdetektiv „Magnum“ auf Ganovenjagd 160 Folgen lang über den Highway bretterte, vorbei an Kokospalmen und goldfarbenen Stränden? Oder er schnappte sich einen Helikopter und legte den Bad Guys eben aus der Luft das Handwerk. Bei aller Spannung kamen die Zuschauer angesichts der traumhaften Hawaii-Bilder aus dem Seufzen gar nicht heraus. Magnum alias Tom Selleck war nicht nur ein verdammt gut aussehender Charmebolzen, sondern verabreichte seinem Publikum jedesmal eine Dosis jener Droge, die Hawaii-süchtig macht. Und den Song „Somewhere over the rainbow“ in der Ukulele-Version von Hawaiis Künstler-Legende Israel Kamakawiwoʻole kriegt man sowieso nicht mehr aus dem Ohr.

Diese Mischung hat wohl auch bei mir diese unstillbare Sehnsucht nach Hawaii ausgelöst. Von meiner Zweitheimat Alaska aus ist der Traum Hawaii in nur fünf Flugstunden zu realisieren. Wer in Europa zur anderen Seite des Globus startet, braucht weit mehr Geduld und Sitzfleisch.

„Manhattan in der Südsee“ wird die 370000-Einwohner-Metropole Honolulu oft ein bisschen despektierlich genannt. Doch trotz himmelstürmender Wolkenkratzer und Highway-Staus springt und der Aloha-Motor sofort an. Das liegt an den Palmen, die sich in der Abendbrise wiegen. Am betörenden Blütenduft und natürlich an den herrlichen 24 Grad selbst nach Sonnenuntergang. Wer am Waikiki-Strand wohnt, hat es nicht weit zum Ala Moana Park, der wie eine riesige grüne Faust in den Pazifik hineinragt. Jogger und Power-Walker mit und ohne Hund überholen begrüßen den jungen Morgen. Auf den Rasenflächen haben sich Grüppchen zum Tai-Chi oder Yoga versammelt. In einer Lagune ziehen drei Stand-up-Paddler ihre Bahnen und am Ufer macht ein Tauchlehrer mit seinen Schülern Trockenübungen. Ein Stück weiter laufen die Vorbereitungen zu einer Outrigger-Regatta. Die jungen Ruderer bringen ihre Auslegerboote zu Wasser und werden von ihren Coaches mit letzten Tipps versorgt.

Am weltberühmten Waikiki Beach haben die coolen Typen mit ihren schnittigen Brettern Position bezogen. Ein Surflehrer gibt einer Familie erste Instriktionen. Immer locker in den Knien bleiben, optimale Position auf dem Brett finden, die Arme zum Balance-Halten einsetzen, die Spitze des Boards nicht ins Wasser eintauchen lassen... Ach wenn das nur alles so einfach wäre, wie es die drahtigen Burschen mit ihren sonnengebleichten Haaren aussehen lassen! Eine mit einem frischen Blütenkranz (Lei) verzierte Bronzestatue erinnert an Duke Kahanamoku, den Erfinder des modernen Wellenreitens und Godfather aller Surfer. Der Duke war ein Idol, schwamm bei den Olympischen Spielen 1912 Weltrekord und brachte Queen Mum den Hula bei.

Das Strand-Stadtviertel Waikiki, Dukes Wirkungsstätte, war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Sumpfland, das erst durch den Bau des Ala Wai Kanals trockengelegt werden konnte. Der Tourismus setzte 1901 mit der Eröffnung des Moana Hotels ein, dem heutigen Sheraton Moana Surfrider, und nahm in den 1920ern raketenartig Fahrt auf, als das rosafarbene Royal Hawaiian Hotel in den Sand von Waikiki gesetzt wurde. Im „Pink Palace“ gaben sich Hollywood-Größen und Staatspräsidenten die Klinke in die Hand, Rockstars feierten wilde Partys. Elvis Presley wohnte hier während des Drehs zu dem Schmachtfetzen „Blue Hawaii“ aus dem Jahr 1961, in dem der Rock'n Roller mit „I can't help falling in love with you“ einen auf Schmusesänger machte.

Eingerahmt von modernen Hotelriesen, wirkt das Royal Hawaiian heute wie eine niedliche Sandburg – was seinem Glamour aber keinen Abbruch tut. Noch immer steigen hier die Celebritys ab, schwelgen in Nostalgie und lassen sich die Illusion nicht nehmen, dass Liz Taylor und Richard Burton jeden Moment durch die Drehtür kommen. Viele  Strandbars laden zum Snacken (am besten Pupus, wie die unverschämt guten Vorspeisen heißen) und Mai-Tai-Schlürfen ein. Dabei kann man das bunte Treiben wunderbar beobachten. Hinter den Strandhotels, parallel zum Waikiki-Strand, verläuft die Kalakaua Avenue mit ihren vielen Shops und Boutiquen (von edel bis trashig), Bars und Restaurants. Da man von diesen Aloha-Shirts und -Kleidern nie genug haben kann, ebbt der Reiz des Shoppens so schnell nicht ab – und flutet in den Edel-Shoppingzentren wie der Ala Moana Mall (einst größte ihrer Art in den USA) vollends über.

Was Rio sein Zuckerhut, ist Honolulu sein Diamond Head: ein erloschener Vulkan, der am östlichen Ende Waikikis in den Himmel ragt und durchaus das Zeug zu einem Wahrzeichen hat. Man kann zu Fuß vom Strand zum Eingang des Parks wandern. Die Landschaft um den erloschenen Krater erinnert ein wenig an die Savanne Afrikas. Auf einem schmalen Pfad, teilweise auf steilen Treppen, geht es hinauf zum 232 Meter hohen Gipfel. Festes Schuhwerk ist dringend zu empfehlen, auf wenn man sonst mit Flipflops unterwegs ist.

Lohn der Mühe ist ein fantastischer Blick auf Waikiki, auf Honolulu und ihre Nobel-Randbezirke, die an den grünen Berghängen hochkriechen.

 

Schnell ist man aus dem Gewirr der Stadtautobahnen raus. Auf dem Weg an die Nordküste hangelt man sich von einem Traumstrand zum anderen. Es gibt viele Beachparks für die Öffentlichkeit, die mit Tischen und Bänken, Grills und Toiletten ausgestattet sind.

Und dann sind sie auf einmal da: Die Monsterwellen, die man normalerweise nur aus den Sportfreak-Filmen kennt. Unglaublich, was die Jungs – und erstaunlich viele Girls – hier mit ihren Brettern anstellen. Oft sind sie scheinbar ewig in einer Wellenröhre verschwunden, bevor sie putzmunter und immer noch aufrecht auf ihrem Board stehen wieder auftauchen. Man könnte stundenlang am Strand einfach nur im Sand sitzen und dieses Spektakel bestaunen.

 

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Lena Wipfler

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